Rüdigheim

Wie in Ravolzhausen beweisen Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit, der Bronzezeit, der älteren Eisenzeit und der Römerzeit die frühe Besiedlung der Gegend in Rüdigheim. Auf dem Judenberg fanden sich Siedlung und Gräber der bandkeramischen Kulturen der Jungsteinzeit (um 2500 - 1600 v.Chr.). Aus der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit) von 800 - 500 v.Chr. fand man die Kochgrube einer Hallstattwohnung am obersten Teil des Judenbergs und ein Grab neben dem Pfingstwäldchen dicht hinter dem Limesgraben.

Östlich des Ortes verläuft der römische Limes. Untersuchungen am Limes sowie am Wachtturm „Auf dem Stein" förderten Reste hadrianischen Geschirrs und Scherben aus dem 2. Jahrhundert zutage. Zusätzlich entdeckte man Reste eines eisernen Schlüssels und Kolbens mit bandartigem Ring aus einem Bau auf dem Teufelskopf.

Erste Erwähnung bereits im Jahr 1000

Erstmals urkundlich erwähnt wird „Roudingheim" in einem Zinsregister des Klosters Seligenstadt um das Jahr 1000 n.Chr. Die Urkunde selbst fand sich auf den unbeschriebenen Blättern eines Evangeliars (Evangeliar = liturgisches Buch mit dem vollständigen Text der vier Evangelien).

In „Die Ortsnamen" von 1871, Seite 35, schreibt Dr. Wilhelm Keller: „Ein Rudicho aus den Ruckingern hätte denn wohl Rüdigheim gegründet." Ortsnamen auf „-heim" erstrecken sich entlang der Wanderwege der Sueben, ausgehend vom Oberlauf des Rheins und seiner Seitentäler.

Die Herren von Rüdigheim

Die Herren von Rüdigheim, die ihren Namen wohl von dem Ortsnamen ableiten und deren Stammburg ehemals in Rüdigheim stand, tauchen urkundlich erst im 13. Jahrhundert auf. In den Jahren 1222 - 1234 erscheint ein Heinrich von Rüdigheim als Zeuge. 1257 schenkten die Herren von Rüdigheim ihr Gut samt dem ihnen zustehenden Patronatsrecht über die Kirche zu Rüdigheim den dort ansässigen Johannitern. Die Johanniter, ein souveräner, exterritorialer Orden mit Hauptsitz in Rom, gründeten hier im Jahr 1257 ein Kloster. Die zugehörige Klosterkirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Markgenossenschaft mit Ravolzhausen

Im Mittelalter bildeten Rüdigheim und Ravolzhausen eine Markgenossenschaft, eine ländliche Siedlungs- und Wirtschaftsgenossenschaft, deren Wurzeln bereits in altgermanischer Zeit zu finden sind. Die Gemeine Mark, d.h. der nicht besiedelte Teil der Gemeindeflur, bestehend aus Wasser, Wiese, Weide und Wald, wurde von allen Markgenossen gemeinsam bewirtschaftet und genutzt. Sie blieb als Allmende (= althochdeutsch: Grund aus Boden, der der Allgemeinheit gehört) bis in die Neuzeit Gemeineigentum der Markgenossenschaften oder Märker. Die Auflösung der Markgenossenschaften im größeren Umfang beginnt erst im 18. Jh. Aufgrund dieses Erbvertrages aus dem Jahr 1610 erhielten die Grafen von Hanau-Lichtenberg die Grafschaft Hanau. Diese Grafen gehörten dem lutherischen Bekenntnis an und förderten die Errichtung lutherischer Kirchengemeinden. Auch in Rüdigheim entstand eine solche. Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1670 wurde die luth. Kirche eingeweiht. Die stand gegenüber dem neuen Rathaus und war ein stattlicher Barockbau mit einer Orgel und zwei Glocken.