Ravolzhausen

Bodenfunde aus der Stein-, Bronze- und La-Téne-Zeit stellen die frühesten Zeugen menschlicher Besiedlung im Raum um Ravolzhausen dar. Etwa 1 km nordöstlich des Dorfes auf der „Wanne" entdeckte man eine Grube, die eine rohe Tasse mit großem Henkel, rohe Töpfe mit schwach ausladendem Rand sowie Bruchstücke eines Schöpfbechers enthielt, Rest der sogenannten Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit.

1964 wurde eine steinerne, durchbohrte Hacke gefunden, die der bandkeramischen Kultur zuzuordnen ist. Bei Kanalausschachtungsarbeiten stieß man 1969/70 etwa 300 m nördlich des Ortes auf zwei Skelette nebst urnenfelderzeitlichen Scherben und Hüttenlehm.

Die Art der Beisetzung der Toten (Verbrennung und Bestattung der Asche auf großen Friedhöfen - „Urnenfeldern") gab dieser Kultur ihren Namen. Sie stellt eine der wichtigsten Kulturen der Bronzezeit (in Europa ab 1700-800 v.Chr.) dar.

Westlich von Ravolzhausen in genau nördlicher Richtung verlief die befestigte Grenze der römischen Provinz „Germania Superior", der obergermanische Limes. Zunächst nur ein Postenweg, durch hölzerne Wachttürme gesichert, bestand der Limes in seinem letzten Ausbaustadium aus Wall und Graben mit einer davor stehenden hölzernen Palisade. Die hölzernen Wachttürme wurden Mitte des 2. Jahrhunderts durch Steintürme ersetzt. In der Neuberger Gemarkung gab es insgesamt drei solcher Wachttürme.

Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1227

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort Ravolzhausen im Jahr 1227 in der Form „Ranvocenhusen" (nach Reimer 1, 168). Im Ortsnamen, der u.a. auch in der Form „Ranfoldeshusen" (Reimer 1, 299) und zahlreichen anderen Varianten in den Urkunden erscheint, ist der Name des Dorfgründers „Ranfold" enthalten. „Ranfoldeshusen" bedeutet also nichts anderes als „Behausung", Wohnung des Ranfold. Der Name weist damit auf die fränkische Besiedlung hin, die, ausgehend vom Niederrhein, nach dem Sieg Chlodewigs über die Alemannen (496) auch den hiesigen Raum erreicht.

Während der Frankenzeit, Ende des 5. bis Ende des 9. Jahrhunderts, gehörte Ravolzhausen zum Gericht Langendiebach, dem Untergericht des Zentgerichts Langenselbold.

In der oben erwähnten Urkunde aus dem Jahr 1227 schenken die Mainzer Priester Albert und Burkhard von Kugelenberg dem Kloster Schmerlenbach bei Aschaffenburg ihr Gut zu „Ranfoldeshusen" (= Ravolzhausen).

Neben verschiedenen Klöstern, geistlichen und weltlichen Herren besaß auch das Kloster Selbold Besitzungen in Ravolzhausen.

Im Jahr 1290 verkaufte Heinrich von Buchen mit Genehmigung seines Landesherrn Gottfried von Hohenlohe-Brauneck dem Kloster eine Hube (=Hufe - eine Hufe umfasst die landwirtschaftliche Nutzfläche, die zur Existenzsicherung einer Familie notwendig ist) Land. Die Ritter von den Buchen besaßen in Ravolzhausen ein Landgut, welches sie 1299 an das Kloster Selbold verkauften.

Einwohnerschwund im Dreißigjährigen Krieg

Stark rückläufig war die Bevölkerungsentwicklung in Ravolzhausen in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) durch Kriegseinwirkungen, Hunger und Pest. Besonders im Jahr 1632 dezimierte die Pest die Einwohnerzahl in einem Maß, dass 1700, also rund 50 Jahre nach Kriegsende, gerade 65 Einwohner gezählt wurden. Gut 100 Jahre später schleppen die Soldaten Napoleons auf ihrem Rückzug aus Russland Typhus ein. Ein Neuntel der Bevölkerung fällt der Krankheit zum Opfer. Die Überlebenden müssen gegen den Mangel an Lebens- und Futtermitteln kämpfen, hervorgerufen durch die Einquartierung französischer, später russischer Truppen, die alle vorhandenen Vorräte requirieren.

Die Kirche in Ravolzhausen, 1355 erstmals erwähnt, gehörte als Filiale zu Rüdigheim. Die dort ansässigen Johanniter übten das Patronatsrecht aus. Nachdem Ravolzhausen ab 1666 als Filiale zu Langendiebach gehörte, wurde es 1696 zur selbständigen Pfarrei unter dem Patronat des Fürsten von Isenburg-Birstein erhoben. Die jetzige Kirche wurde 1739 erbaut und im Jahr 1862 erneuert.

Ziegelherstellung in Ravolzhausen

Die Ziegelei bzw. Ziegelhütte, wie sie in früherer Zeit genannt wurde, wird bereits 1688 erwähnt. In jenem Jahr wurde sie vom Grafen Wilhelm Moritz von Ysenburg und Büdingen von dem Schaffner (= Verwalter) Johann Jost Christ zu Rüdigheim gekauft. 1699 wird die Ziegelhütte dem Johann Adam Weber, Wirt und Ziegler zu Ravolzhausen, auf Lebenszeit verliehen. Nach seinem Tod erhält dessen Witwe ab Januar 1716 leihweise für sechs Jahre die Ziegelhütte. In der Folgezeit ab 1724 ist eine Menge Erbleihpächter zu verzeichnen. Am 9. Mai 1836 kaufen Gastwirt Johannes Claus und Georg Klein zu Ravolzhausen die Ziegelhütte. 1851 erfolgt die Entschädigung und Ablösung der Besitzer und des Fürsten Wolfgang Ernst von Isenburg. Das Werk wechselt weiterhin seine Besitzer bis zum Jahr 1897, als man die „Dachziegelwerke Ravolzhausen" gründete. Hier wurden zunächst nur Maschinensteine hergestellt, später auch Verblender in allen Farben und Formen. Ab 1907 ging man zur Dachziegelherstellung über. Von 1975 an nannte sich die Firma „RavoTon Klinkerwerke GmbH", Neuberg/Hanau. Seit 1986 ist die Ziegel- und Klinkerproduktion eingestellt. In dem Werk befindet sich ein neues Unternehmen. Die 2 Schornsteine und einige Gebäude wurden 1989 und 90 abgebrochen.

Der Schwarzhaupt auf dem Hohen Stein

(aus einem alten Dokument)

Das Anwesen auf dem Hohen Stein war ein Jagdhaus und rundherum lagen noch 50 Morgen Land. Es gehörte dem Grafen von Isenburg und dieser schenkte es den Gebrüdern Schwarzhaupt, weil sie auf dem Schloss in Langenselbold eine Wasserleitung gelegt hatten. Die Gebrüder Schwarzhaupt waren Zimmerleute und stammten aus Wenings im Vogelsberg. Sie trieben Ackerbau und Viehzucht. Das Gehöft war eine Zufluchtstätte für lichtscheues Gesindel, Wilddiebe und Falschmünzer. Da das Gehöft einsam gelegen war, mussten sich die Gebrüder Schwarzhaupt mit derartigem Gesindel halten. 

Im Sommer (zur Kirschenzeit) wurden auf dem Hohenstein Apfelwein und Schnaps ausgeschenkt und die Jugend der verschiedenen Ortschaften kam zur Tanzmusik. Die Konkurrenz der verschiedenen Ortschaften wurde dann häufig in blutigen Händeln ausgetragen. Der letzte Schwarzhaupt hatte 3 Kinder, 2 Söhne und 1 Tochter. Von den beiden Söhnen heiratete der eine nach Gründau und der andere nach Rüdigheim. Die Tochter verheiratete sich mit einem Schäfer von Ravolzhausen. Dieser wurde dann Besitzer des Anwesens auf dem Hohen Stein. Er verlor dasselbe aber durch schlechte Wirtschaft und schließlich auch durch Unrentabilität des Gebäudes. Die Gemeinde erwarb das Anwesen im Zwangsversteigerungstermin und benutzte es als Unterkunft obdachloser Familien.

Im Jahre 1881 wurde das Haus abgerissen. erbaut wurde es etwa im Jahre 1730.

In dem Güterverzeichnis von 1749 ist ein Schwarzhaupt vom Hiohenstein nicht aufgeführt, weil ja auch das auf dem Hohenstein stehende Wohnhaus zur Gemeinde Ravolzhausen gehörte. In 1834 hat Johann Heinrich Schwarzhaupt, Sohn des verlebten Heinrich Scharzhaupt vom Hohenstein bei Ravolzhausen, weil er mit Elisabeth Ruth, Tochter des verlebten Simon Ruth zu Rüdigheim die Ehe eingehen wollte, die Aufnahme in die Nachbarschaft beantragt, welche ihm gegen Hinterlegung von 300 Gulden in die Gemeindekasse zum Zwecke des Ankaufs von Grundvermögen am 14. April 1834 erteilt worden ist.